Propolisarten nach geografischer Herkunft – welche eignet sich für die Produktion?



Im Propolishandel wird sehr häufig eine einfache Einteilung verwendet: polnischer, brasilianischer, argentinischer oder uruguayischer Propolis. Für einen Verarbeiter reicht dies jedoch nicht aus. Das tatsächliche botanische Herkunftsgebiet und die jeweilige Vegetationszone sagen wesentlich mehr darüber aus, wie sich der Rohstoff bei der Extraktion und Formulierung verhalten wird, als die bloße Staatsgrenze. Daher sollte eine sinnvolle Einteilung nicht ausschließlich nach Ländern, sondern nach den tatsächlichen Rohstofftypen erfolgen.


Die wichtigste praktische Konsequenz besteht darin, dass Rohstoffe aus demselben Land mitunter völlig unterschiedliche Eigenschaften haben und tatsächlich vollkommen verschiedene Produkte darstellen können, beispielsweise grüner und roter brasilianischer Propolis. In anderen Fällen unterscheiden sich Propolisarten aus verschiedenen mitteleuropäischen Ländern hingegen möglicherweise überhaupt nicht in erkennbarer Weise. Für die Produktion sind vor allem folgende Merkmale entscheidend: Löslichkeit, Profil der Harze und phenolischen Verbindungen, Reproduzierbarkeit der Chargen, Verfügbarkeit, teilweise auch die Farbe sowie die Frage, ob der jeweilige Typ als standardmäßiger Verarbeitungsrohstoff oder eher als Bestandteil eines Premiumprodukts gekauft wird.

Brauner Propolis europäischen Typs – Referenzpunkt für die meisten Verarbeiter

Für viele industrielle Anwendungen bleibt brauner Propolis europäischen Typs der berechenbarste Ausgangsrohstoff. Es handelt sich um Propolis aus der europäischen gemäßigten Klimazone. In der Fachliteratur wird dieser Typ gewöhnlich als Poplar-Type Propolis bezeichnet, da Pappelharze seine wichtigste pflanzliche Quelle darstellen. In der Praxis können jedoch auch andere Bäume und Sträucher derselben Vegetationszone beteiligt sein. Dieser Propolistyp ist in Europa, Nordamerika und Teilen Asiens weit verbreitet. Zu seinen typischen Bestandteilen gehören vor allem Flavonoide, Phenolsäuren und deren Ester. Genau diesen Typ meinen die meisten Abnehmer, wenn sie einfach von „Propolis“ sprechen. In unserer Praxis unterscheiden wir ihn nicht ausschließlich nach dem Herkunftsland, sondern nach Qualitätsklasse und Art der Chargenvorbereitung.

Die Spezifikation PR/EU1/40 umfasst Propolis aus Ländern der Europäischen Union, der direkt von Imkern bezogen wird, ein erweitertes Untersuchungsspektrum durchläuft und eine Ethanollöslichkeit von mindestens 55 % aufweist. Der Anteil der in Ethanol unlöslichen Bestandteile beträgt somit höchstens 45 %. Bei der Standardisierung streben wir einen Anteil der unlöslichen Fraktion von etwa 40 % an. Der Rohstoff ist optisch ansprechend und eignet sich sehr gut für die Abfüllung und Verpackung. Im PROKIT-Sortiment wird diese Klasse als eigene Handelsposition innerhalb der Gruppe der europäischen Propolisarten geführt.

Die Spezifikation PR/EU/39 umfasst ebenfalls Propolis aus Ländern der Europäischen Union, der direkt von Imkern bezogen wird und ein erweitertes Untersuchungsspektrum durchläuft, jedoch eine geringere Löslichkeit aufweist: mindestens 45 %. Der Anteil der in Ethanol unlöslichen Bestandteile beträgt somit höchstens 55 %. Bei der Standardisierung streben wir hier einen Anteil der unlöslichen Bestandteile von etwa 50 % an. Es handelt sich daher um eine typische zweite Qualitätsklasse gemäß der polnischen Norm PN-R-78891. Sichtbare mechanische Verunreinigungen können vorhanden sein, weshalb wir dieses Material für die Herstellung von Extrakten empfehlen. Auch diese Spezifikation wird im aktuellen PROKIT-Sortiment als eigene Qualitätsklasse geführt.

Eine separate Kategorie bildet PR/ECZ/42, also Propolis aus der europäischen Klimazone. Diese Kategorie umfasst nicht nur die Europäische Union, sondern auch angrenzende Länder, darunter die Ukraine und die Türkei. Diesen Rohstoff kaufen wir in gemischten Großhandelschargen. Das Untersuchungsspektrum ist hier schmaler und konzentriert sich vor allem auf die Löslichkeit, die gewöhnlich zwischen 45 und 55 % liegt. Dadurch ist dieses Material günstiger und gleichzeitig in großen Mengen verfügbar. Auch diese Gruppe wird im aktuellen PROKIT-Sortiment als eigene Handelsgruppe geführt.

Ein Punkt sollte besonders hervorgehoben werden: Polnischer Propolis stellt keinen eigenen technologischen Typ dar. Er ist ein besonderer Fall des europäischen Propolis. Gleichzeitig erwarten viele Abnehmer in Polen ausschließlich Rohstoff polnischer Herkunft. Daher bereiten wir auf Wunsch auch Chargen aus 100 % polnischem Propolis vor. In der Praxis besteht die überwiegende Mehrheit des von uns in den Klassen PR/EU1/40 und PR/EU/39 verkauften Propolis aus polnischem Propolis. Er gehört jedoch weiterhin zur umfassenderen Familie des europäischen Propolis.

Für den Verarbeiter bedeutet dies, dass bei europäischem Propolis nicht nur das deklarierte Herkunftsland berücksichtigt werden sollte. Entscheidend sind vor allem die Qualitätsklasse, die Löslichkeit, die Art des Rohstoffeinkaufs und der Umfang der durchgeführten Untersuchungen. Diese Faktoren bestimmen die Berechenbarkeit des Verarbeitungsprozesses.

Grüner brasilianischer Propolis – wenn ein bestimmter Typ und nicht einfach „Propolis aus Brasilien“ benötigt wird

Grüner brasilianischer Propolis ist nicht einfach das exotische Gegenstück zum europäischen Propolis. Es handelt sich um einen eigenständigen botanischen Typ, der vor allem mit der Pflanze Baccharis dracunculifolia verbunden ist. In der Fachliteratur und im Handel wird dieser Typ gerade deshalb separat behandelt, weil er ein anderes chemisches Profil als Propolis aus der gemäßigten Klimazone aufweist. Der Rohstoff besitzt eine grünlich-braune oder olivfarbene Färbung. Der Extrakt zeigt Grüntöne und hat einen scharfen, charakteristischen Geruch. Sein charakteristischer biochemischer Marker ist Artepillin C, dessen Mindestgehalt wir in der Qualitätsspezifikation von PROKIT mit 3,5 % angeben.

Aus praktischer Sicht sollte grüner Propolis gewählt werden, wenn nicht nur „Propolis an sich“, sondern ein bestimmter Handels- und Analysemarker – Artepillin C – sowie das charakteristische Profil des brasilianischen Rohstoffs relevant sind. Die Fachliteratur beschreibt grünen Propolis als reich an prenylierten Phenylpropanoiden. Einige Übersichten nennen neben Artepillin C auch Baccharin, Drupanin, Kaffeesäure und p-Cumarsäure. Dieses Profil unterscheidet sich deutlich vom klassischen Pappeltyp.

Grüner brasilianischer Propolis eignet sich für Produkte, bei denen die brasilianische Herkunft, ein klar erkennbares chemisches Profil und die Möglichkeit, sich auf bestimmte Rohstoffmarker zu beziehen, von Bedeutung sind. Er darf jedoch nicht als einfacher Ersatz für europäischen Propolis betrachtet werden. Er ergibt einen anderen Extrakt, eine andere Farbe und andere Erwartungen auf Seiten des Marktes. Es handelt sich nicht um „denselben Rohstoff aus einem anderen Land“, sondern um eine eigenständige Rohstoffkategorie.

Roter brasilianischer Propolis – ein exklusiver und deutlich teurerer Premiumrohstoff

Ein noch deutlicher abgegrenzter Typ ist roter brasilianischer Propolis. PROKIT gibt für ihn Dalbergia ecastaphyllum als botanische Herkunft, eine rote bis braunrote Färbung sowie einen roten Ethanolextrakt an. Die Fachliteratur bestätigt, dass roter brasilianischer Propolis mit den Harzen dieser Pflanze verbunden ist und sich vom grünen Propolis nicht nur durch die Farbe, sondern auch durch die im Profil dominierenden Verbindungsklassen unterscheidet. Zu seinen charakteristischsten Verbindungen gehören Isoflavonoide und Pterocarpane. Als Marker werden am häufigsten Vestitol, Neovestitol, Medicarpin, Formononetin und Biochanin A genannt.

Aus Sicht des Verarbeiters sind dabei drei Punkte besonders wichtig. Erstens ist dieser Rohstoff deutlich teurer als standardmäßige braune Propolisarten. Im aktuellen PROKIT-Sortiment wird roter brasilianischer Propolis erheblich höher bewertet als europäischer Propolis. Dies zeigt deutlich, dass es sich nicht um einen Rohstoff für den alltäglichen Einsatz, sondern um ein Material für ausgewählte Anwendungen handelt.

Zweitens ist der höhere Preis nicht zufällig. Untersuchungen und Übersichtsarbeiten weisen darauf hin, dass roter brasilianischer Propolis ausschließlich mit einem bestimmten Gebiet im Nordosten Brasiliens verbunden ist, insbesondere mit der Küstenregion und den Mangrovenzonen des Bundesstaates Alagoas. Die begrenzte Gewinnungsmenge und die Einzigartigkeit des Herkunftsgebiets erklären zusammen mit dem besonderen biochemischen Profil seine Marktposition. (PMC)

Drittens handelt es sich um einen Rohstoff für exklusive Premiumprodukte und für Kenner. Er ist nicht die optimale Wahl, wenn die Formulierungskosten das wichtigste Kriterium darstellen. Soll ein klar außergewöhnliches Produkt entwickelt werden, ist roter Propolis gut begründet. Wird dagegen lediglich Propolis für einen klassischen Extrakt gesucht, ist er in der Regel eine zu teure Wahl.

Brauner Propolis aus Argentinien und Uruguay – eine günstigere Alternative, die mehr Vorsicht erfordert

Unter den braunen südamerikanischen Propolisarten sollten Argentinien und Uruguay grundsätzlich getrennt betrachtet werden. Aus praktischer Sicht ist es jedoch sinnvoll, beide Herkunftsrichtungen gemeinsam zu besprechen. Beide können für Verarbeiter interessant sein, die einen günstigeren Rohstoff als klassischen europäischen Propolis suchen. In beiden Fällen ist die Bewertung der konkreten Charge jedoch wichtiger als die bloße Angabe des Herkunftslands.

Argentinien ist ein sehr großes Land mit einer starken Nord-Süd-Ausdehnung. Es umfasst mehrere Klimazonen und unterschiedliche Pflanzengesellschaften. Dies wirkt sich unmittelbar auf den Propolis aus. Übersichtsarbeiten über argentinischen Propolis betonen seine große Vielfalt und weisen darauf hin, dass dort mehrere Rohstofftypen unterschieden wurden. In der Praxis bedeutet dies, dass argentinischer Propolis kein einheitliches technologisches Profil besitzt.

Im Handel gehört brauner argentinischer Propolis häufig zu den günstigeren Varianten von braunem Propolis. Daher wird er von einigen Verarbeitern als wirtschaftlicher Ersatz für europäischen Propolis eingesetzt. Diese Strategie kann sinnvoll sein, da gute Chargen qualitativ dem europäischen Propolis sehr ähnlich sein und sich für vergleichbare Anwendungen eignen können. Dies sollte jedoch nicht ohne vorherige Chargenprüfung vorausgesetzt werden.

Bei Uruguay ist die Situation etwas anders. Die Fachliteratur nennt als mögliche pflanzliche Quellen des uruguayischen Propolis unter anderem Eukalyptus, Pappeln, Birken und Weiden. Die Zusammensetzung der isolierten Verbindungen weist Ähnlichkeiten mit europäischem und chinesischem Propolis auf. Dies erklärt, warum er häufig als südamerikanischer brauner Propolis betrachtet wird, der dem europäischen Typ relativ nahekommt. (PubMed)

Unsere praktische Erfahrung zeigt jedoch, dass uruguayischer Propolis technologisch mehr Schwierigkeiten bereiten kann, als es die botanische Ähnlichkeit vermuten lässt. Einige Chargen lösen sich schlecht in 70%igem Ethanol und lassen sich erst mit 95%igem Ethanol besser verarbeiten. Bei der Konzentrierung des Extrakts kann es außerdem zur Trennung verschiedener Harzphasen kommen, was die Herstellung eines homogenen Zwischenprodukts erschwert.

Daher empfehlen wir weder argentinischen noch uruguayischen Propolis ausschließlich auf Grundlage der allgemeinen Herkunftsbezeichnung zu kaufen. Diese Rohstoffe können wirtschaftlich sehr interessant und teilweise auch qualitativ sehr gut sein, sollten jedoch vorab in einem technischen Versuch geprüft werden.

Welche Propolisart sollte man wählen?

Wenn Sie einen klassischen, berechenbaren Rohstoff für Standardextrakte, Kapseln, Lebensmittel- oder Kosmetikformulierungen benötigen, ist brauner Propolis europäischen Typs der sicherste Ausgangspunkt.

Wenn die brasilianische Herkunft, die spezifische Identität des Rohstoffs und ein chemischer Marker wichtig sind, sollte grüner brasilianischer Propolis in Betracht gezogen werden.

Wenn ein luxuriöses Premiumprodukt auf Grundlage eines seltenen Rohstoffs entwickelt werden soll, ist roter brasilianischer Propolis ein geeigneter Kandidat. Dabei muss jedoch ein deutlich höherer Rohstoffpreis akzeptiert werden.

Wenn die Kosten Priorität haben, kann brauner Propolis aus Argentinien oder Uruguay in Betracht gezogen werden.

Zusammenfassung

Eine Einteilung von Propolis nach geografischer Herkunft ist nur dann sinnvoll, wenn sie tatsächlichen Unterschieden im Rohstoff entspricht. Für den Verarbeiter sind der botanische Typ, die Ethanollöslichkeit, der Untersuchungsumfang, die Reproduzierbarkeit der Chargen und das Verhalten im Prozess wichtiger als der bloße Ländername. Daher sollten polnischer Propolis und europäischer Propolis im weiteren Sinne als eine technologische Familie betrachtet werden. Grüner und roter brasilianischer Propolis sind zwei eigenständige Spezialtypen. Braune Propolisarten aus Argentinien und Uruguay stellen dagegen preislich interessante Alternativen zum europäischen Propolis dar, erfordern jedoch eine vorsichtigere Bewertung der einzelnen Chargen.

FAQ

Ist polnischer Propolis eine eigene Propolisart?

Nicht im technologischen Sinne. Er ist ein besonderer Fall des europäischen Propolis.

Unterscheidet sich ukrainischer Propolis von polnischem Propolis?

Technologisch und biochemisch nicht.

Unterscheidet sich türkischer Propolis von polnischem Propolis?

Der Unterschied ist gering und technologisch nicht relevant. Es handelt sich weiterhin um braunen Propolis des Pappeltyps.

Kann argentinischer Propolis europäischen Propolis ersetzen?

In der Regel ja, jedoch nicht in jedem Fall. Es empfiehlt sich, zunächst eine Probecharge zu kaufen und sie für den vorgesehenen Anwendungszweck zu testen. Geruch und Farbton können abweichen.

Ist grüner Propolis tatsächlich grün?

Es handelt sich nicht um ein grasartiges Grün, sondern eher um einen grünen Braunton. An einer frischen Bruchstelle ist die Grünfärbung deutlicher sichtbar. Die Tinktur besitzt eine Farbe, die an grünen Tee erinnert. Der scharfe Geruch, der Geschmack und das allgemeine Erscheinungsbild sind jedoch so charakteristisch, dass er mit keinem anderen Propolis verwechselt werden kann.

Ist roter Propolis tatsächlich ein Premiumprodukt?

Ja. Dies ergibt sich sowohl aus seiner biochemischen Zusammensetzung und dem begrenzten Gewinnungsgebiet als auch aus dem deutlich höheren Preisniveau im Handel.

Eignet sich uruguayischer Propolis zur Extraktion?

Ja, allerdings ist bei der Verarbeitung Vorsicht erforderlich. Einige Chargen lassen sich mit 95%igem Ethanol besser verarbeiten als mit 70%igem.

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